Veröffentlichung im Zahnärztlichen Anzeiger, Ausgabe 02/2020, Seiten 10 und 11

Vom Weiß des Anfangs und der Möglichkeiten
– über drei Projekte zur Schulhausgestaltung

von Stephanie Huder

„Die Farbe Weiß wirkt auf unsere Psyche wie ein großes Schweigen“, schrieb Wassily Kandinsky in seiner Schrift „Über das Geistige in der Kunst“, doch lag für ihn im Weiß „ein Schweigen, welches nicht tot ist, sondern voll Möglichkeiten“. Weiß steht für die Frische und den Anfang – für einen frischen Anfang nach dem Umzug der Städtischen Berufsschule für Zahnmedizinische Fachangestellte in die Orleansstraße 4. Im Sinne Kandinskys haben wir die Möglichkeiten der kargen und weißen Wände aufgegriffen, Leben und Farbe ins Gebäude zu bringen. Vier Klassen führten mit zwei externen Künstlerinnen, einem Künstler und ihren Lehrkräften im Oktober 2019 Projekte zur Schulhausgestaltung durch.

Die Klasse 10O z, begleitet von den Lehrkräften Antonija Bosnjak und Martin Gruber, realisierte in nur zwei Doppelstunden ein Gemeinschaftswerk, das Schlüsselwörter aus dem schulischen Leitbild als Collage umsetzt. Die Schülerinnen und Schüler bemalten Holzplatten und beklebten sie mit Elementen, welche die im Leitbild erwähnten Werte – durch ihr plastisches Herausragen im wahrsten Sinne des Wortes – verkörpern.

Beim Projekt „urban knitting“ mit der Künstlerin Andrea Unterstraßer strickten die Schülerinnen und Schüler mit den Fingern. Die entstandenen Strickschnüre verbinden sich zu gemeinsamen Werken, die an die Spiralen Hundertwassers erinnern und in Glaskästen eingebettet sind. Das Projekt fand in der Klasse 10O z mit den Lehrkräften Gaby Gabrieljan und Olga Ebert statt.

Schülerinnen der Klasse 10O z bemalen in einem von der Künstlerin Dominique Gartmann (links) durchgeführten Projekt eine Holzplatte.
Schülerinnen und Schüler stricken mit den Fingern in einem Projekt von der Künstlerin Andrea Unterstraßer.

Der Künstler Matthias Jähnke führte sein von James Pollock inspiriertes Projekt „Farbe und Bewegung“ jeweils eine Doppelstunde lang mit den Klassen 11H z und 10N z durch. Während wir uns zu von mir ausgewählter non-vokaler Deep- und Tech-House-Musik um Tische mit ausgelegten Plakaten bewegten, bemalten wir diese spontan mit abstrakten Formen, woraus großflächige und farbenfrohe Kunstwerke entstanden sind.

„In diesem Projekt konnten wir unseren Emotionen freien Lauf lassen und gute Erfahrung sammeln“, schrieb Selin Hazar aus der Klasse 11H z und bestätigt damit, dass das Weiß des seelischen Schweigens durchbrochen wurde. „Wie die bunten Bilder soll man auch ein buntes Lebens führen“, meinte Reyhan Mechmet, ebenso aus der 11H z – vermutlich sich dessen unbewusst, dass sie nicht nur beim Malen, sondern auch mit ihren personifizierenden Worten die Bilder „lebendig“ gemacht hat.

Wir beschaffen derzeit Materialien zur Befestigung, was aufgrund der Größe mancher Arbeiten nicht ganz einfach ist, und hängen die Werke mit Hilfe unseres fleißigen Amtsmeisters Nasr Mesbahi auf. Die mit Matthias Jähnke gemalten Bilder habe ich beschnitten, mit Passepartouts verklebt und gerahmt. Sieht man die ersten bereits an den Wänden angebrachten Bilder, könnte man durch diese „Veredelung“ fast glauben, dass da ein „echter Pollock“ hängt. – Aber nein, die Künstlerinnen und Künstler sind unsere Schülerinnen und Schüler. Über Ihren Besuch in unserem „lebendigen und zeitgenössischen Museum“, in dem wir gleichermaßen modern unterrichten, freuen wir uns.

Wir bedanken uns beim Referat für Bildung und Sport, RBS-B, Bereich Kultur, für die finanzielle Förderung der Projekte.

Foto rechts: Der Amtsmeister Nasr Mesbahi hängt ein Bild, das im Projekt „Farbe und Bewegung“ mit Matthias Jähnke entstanden ist, im Schulgebäude auf.